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Braucht der Mensch die Mode?

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Das der Mensch Schutz gegen die Kälte benötigt, steht außer Frage, spätestens seit dem Zeitpunkt, seit er beziehungsweise sie des eigenen Fells verlustig ging. Doch genügen dafür nicht die Felle erlegter Tiere? Eindeutig nicht, denn Archäologen fanden Stoffreste, gewebt aus Hanf, deren Alter auf 30.000 Jahre datiert wird. Teilweise waren die Stoffreste sogar eingefärbt. Zu dieser Zeit kannte der Mensch noch kein Metall und Europa war überwiegend von Gletschern bedeckt. Trotzdem wurde Hanf geerntet, die Hanffasern zu Garn gesponnen und anschließend Stoffe daraus gewebt, die darüber hinaus auch noch gefärbt wurden, was zu dieser Zeit sicher kein einfach zu bewerkstelligender Vorgang war. Eine mögliche Antwort, warum die damaligen Menschen diesen Aufwand betrieben, liegt vielleicht im Fehlen jagdbarer Tiere, die über ein entsprechendes Fell verfügten. Die Eiszeit hat die Fauna sicher zu einem großen Teil in wärmere Gefilde vertrieben. Das darum Stoffe angefertigt wurden, zeugt einerseits von der hohen Intelligenz der oft als einfältig dargestellten Steinzeitmenschen, andrerseits zeugt das Färben der Stoffe davon, das schon damals ein Gefühl für Mode vorhanden war.

Auch in der weiteren Entwicklungsgeschichte begleitet die Mode den Menschen, allerdings mit unterschiedlichen Ausprägungen. Dabei war Mode immer auch ein Merkmal für den Grad des Wohlstandes einer Gesellschaft. Im Mittelalter etwa war Mode einer sehr kleinen Elite vorbehalten. Hingegen hatten die Bürger des antiken Roms oder auch des alten Griechenlands, die Jahrhunderte zuvor existierten, ein sehr ausgeprägtes Modebewusstsein.

Auch heute hat die Mode ihren festen Platz in der Gesellschaft und dies aus gutem Grund. Mode ist nicht einfach die Erfindung von Designern und Kleiderfabrikanten, die so ihr Geld verdienen. Mode ist ein gesellschaftlicher Ausdruck, der sich weit weniger einfach steuern lässt, als gemeinhin angenommen wird. Die weitaus meisten sehr berühmten Modeerscheinungen entstanden nicht bei den berühmten Designern, sondern auf der Straße. Jeanshosen etwa oder auch die Sneaker, um nur zwei Beispiele zu nennen, die bereits über 100 Jahre im Umlauf sind und einfach nicht aus der Mode kommen wollen. Die Sneaker, ursprünglich als Golfschuhe konzipiert, werden heute genauso für Herren wie für Damen gefertigt und sind ebenso als Kinderschuhe beliebt wie eh und je. Wie auch die Jeans erfuhren die Sneaker lediglich Anpassungen im Design und im Material.

Die Beispiele könnten endlos fortgesetzt werden. Der Anzug etwa bleibt ein Charakteristikum in der Berufswelt und gleichermaßen die männliche Bekleidung für festliche Anlässe, egal ob nun beim zehnjährigen Knaben oder beim Rentner. Dabei blickt der Anzug auf eine Ahnenreihe, die bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts hineinreichen. Der Satz, das in der Mode alles einmal wiederkommt, ist folglich nicht ganz richtig. Mode ist meist nur Anpassung, nicht Veränderung. Das aber ist gut so, denn der Mensch zeichnet sich doch genau dadurch aus, dass er oder sie sich wie kein anderes Wesen dieser Erde den Umständen anpassen kann. Mode ist also notwendig.