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Maßnahmen zur Zahngesundheit

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Mit dem Kauen von rund 18 Tonnen Nahrungsmitteln verlangen wir den Zähnen im Laufe des Lebens Höchstleistungen ab. Zugleich machen ihnen Milliarden Mikroorganismen zu schaffen: mit Plaque und Säuren, Entmineralisierung oder Entzündungen.

Trotz optimaler Prophylaxemöglichkeiten und effizienter Produkte leiden die meisten Menschen unter Karies und Zahnbetterkrankungen. Und das, obwohl schlechte Zähne nur selten genetisch bedingt und die Wechselwirkungen zwischen Zahn- und Allgemeingesundheit vielfach erwiesen sind. So müssen etwa Schwangere besonderen Wert auf Mundhygiene legen: Wissenschaftler der Universität Chapel Hill in North Carolina untersuchten Frauen nach Frühgeburten und fanden heraus, dass eine unbehandelte Parodontitis (Erkrankung des Zahnbettes) das Risiko, zu früh gebären, um das 7,5-fache erhöht. Typ-2-Diabetiker sind 4,8-mal stärker gefährdet, an Parodontitis zu erkranken, als Gesunde; Diabetis Typ-1-Patienten leiden fast alle darunter.

Beratungsempfehlungen
Mundhygiene ist eine generelle Gesundheitsvorsorge und erfordert individuelle Beratung: Welche Wirkstoffe und Zusätze sind beispielsweise in der Zahncreme erwünscht? Einige Produkte enthalten seit Kurzem neben den üblichen Putzkörpern, Feuchthalte-, Binde- und Schaummitteln, Süß-, Farb- und Konservierungsstoffen auch Xylit: Der Zuckerersatzstoff soll das Wachstum der Plaque hemmen. Folgende Punkte sollten in einem guten Beratungsgespräch abgeklärt werden:

  • Ist der Patient kariesgefährdet, parodontal aber gesund, sodass sich eine fluoridhaltige Markenzahnpasta empfiehlt? Oder benötigt er wegen entzündlicher Erkrankungen des Zahnhalteapparates zusätzlich das Antiseptikum Chlorhexidin? Dieses haftet lange auf Zähnen und Mundschleimhaut und wird nicht metabolisiert, also verstoffwechselt, und somit zu fast 100 Prozent wider ausgeschieden.
  • Wir derzeit eine kieferorthopädische Behandlung durchgeführt und sollten wegen erschwerter Reinigungsbedingungen zusätzlich antibakterielle Spüllösungen verwendet werden?
  • Reagieren die Zähne empfindlich auf Heißes, Kaltes, Süßes, und Saures? Dann ist ein Spezialwirkstoff gefragt, der ähnlich der natürlichen Zahnsubstanz aus Calciumphosphat (Apatit) und Eiweiß besteht und mittels Fluorid auf der Oberfläche eine hauchdünne Schicht entstehen lässt: So wird das zuvor freiliegende Dentin (Zahnbein) gestützt.
  • Nimmt der Patient homöopathische Mittel ein und muss deshalb auf Cremes mit ätherischen Ölen etwa von Kamille oder Menthol verzichten, weil diese die Wirksamkeit der Präparate beeinträchtigen können?
  • Sollte die Zahncreme für Kinder ab sechs Jahren sein? Hier gilt es zu beachten, dass Schulkinder bereits die Produkte für Erwachsene nutzen können. Es gibt spezielle Jugendzahncremes, die vom Geschmack her von den Kleinen akzeptiert werden.
  • Liegt eine schwere Form des Mundgeruchs (Halitosis)  vor, dann sollte man einen der oft wirkungsvollen Zungenreiniger verwenden?

Zahnpflege vom ersten Milchzahn an
Warum müssen ausgerechnet Milchzähne, die doch später auffallen, sorgsam gepflegt werden? Weil Kinder mit einem Milchgebiss ohne Karies laut Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen die neunzigprozentige Chance haben, lebenslang gesunde Zähne zu behalten. Die Chance von Kindern mit Karies in den ersten Zähnen liegt nach dem Zahnwechsel hingegen nur bei 50 Prozent. Milchzähne sind also als Vorläufer und Platzhalter für die bleibenden Zähne von grundlegender Bedeutung und zugleich aufgrund ihrer weicheren und für Karies anfälligeren Substanz stark gefährdet. Der vorzeitige Verlust erster Zähne führt zu Raummangel, Fehlstellungen und in der Folge zu kieferorthopädischen Behandlungen. Während die Zähne bis zum zweiten Lebensjahr nur von den Eltern geputzt werden, sollten die Kleinen von da an nach dem Frühstück und Abendessen selbst zur Bürste greifen, bevor die Erwachsenen gründlich nacharbeiten. Um Kinder ab sechs Jahren mit bleibendem Eindruck auf das „Zahnmonster“ Karies hinzuweisen, machen Zahnärzte, die zweimal jährlich das kindliche Gebiss überprüfen sollten, den Belag sichtbar. Ihren Hinweis auf Färbetabletten für derartige Tests zu Hause werden viele Eltern sicher dankbar aufgreifen.
Kinderzahncreme und -bürste unterscheiden sich von den Produkten für Erwachsene: Die Bürste zeichnet sich durch einen dicken rutschfesten Griff aus sowie durch ein gerades und dem kleinen Mund angepasstes Feld aus vielen Büscheln mit abgerundeten Kunststoffborsten. Beginnen sich diese zu spreizen, ist eine neue Bürste fällig, denn in dem defekten Material setzen sich Bakterien fest.
Weil Kinder bis zum sechsten Lebensjahr noch nicht gezielt ausspucken können und viel Creme verschlucken, enthält die speziell auf sie abgestimmte Zahnpasta nur 500 ppm Fluorid. Danach verwenden sie eine Erwachsenenzahncreme mit 1000 ppm oder eine Jugendzahnpasta. Von süßen, farbigen Cremes rät die Zahnärztliche Bundesvereinigung ab, da sie zum „Naschen“ verführen können.
Die KAI-Zahnputzsystematik (Kaufläche, Außenfläche, Innenseite) garantiert die effizienteste Reinigung und steht deshalb deutschlandweit auf dem Lehrplan der Kindergärten: Nach dem Hin- und Herbürsten auf den Kauflächen folgt die Pflege der Außenseiten, für die man die Zähne zusammenbeißt und Kreise auf den „Tigerbiss“ malt. Innen „kehren“ die Kleinen mit Bewegung, die denen des Gasgebens beim Motorrad gleichen.

Fluoridprophylaxe
Fluorid sorgt als natürlicher Bestandteil unseres Körpers unter anderem für die Entwicklung der Knochen, die Mineralisierung der Zähne sowie die Bildung des Zahnschmelzes. Es wird in diesem eingelagert und verleiht ihm größere Widerstandskraft gegen Säuren, die von Plaquebakterien insbesondere aus Zuckerbestandteilen der Nahrung produziert werden und die Zähne angreifen. Die Kariesbildung lässt sich daher mittels Fluoriden eindeutig reduzieren. Diese können enteral, also über Magen und Darm, aufgenommen werden, etwa mit Trinkwasser sowie fluoridiertem Salz, oder lokal. Der niedrigere Fluoridgehalt in Zahncreme für die Kleinen beugt einer chronischen Überdosierung und damit etwa einer Dentalfluorose mit Zahnschmelzflecken vor. Aus diesem Grund wird auch von einer generellen Fluoridtablettengabe abgeraten. Diese sollte nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Statt dessen wird empfohlen, dass Schulkinder das Fluoridgel einmal wöchentlich zur Reparatur anfänglicher Kariesschäden ausschließlich unter Aufsicht einbürsten.